Unternehmensgruppe Freudenberg

Geschichte des Wasserturms

Dampflokomotiven mussten zur Erzeugung von Dampf mit Wasser befüllt werden. Das sehr kalkhaltige Weinheimer Leitungswasser schädigte die Rohrsysteme der Lokomotiven.

Die Reichsbahndirektion beschloss daher 1908, einen 21,5 m tiefen Brunnen für besseres Wasser bohren zu lassen und errichtete zusätzlich diesen 20,4 m hohen Wasserturm. Der Turm hat an der Sohle einen Durchmesser von 6,4 m. Er verjüngt sich nach oben, so dass sein Durchmesser unterhalb des Aufbaus nur noch 5,2 m beträgt.

Im Turmaufbau war ein Wasserbehälter aus 8 mm dickem Stahl von 6,7 m Durchmesser untergebracht, der 150 m³ Wasser fasste. Der Durchmesser des gesamten Aufbaus beträgt 8,5 m. Daraus wurden bis 1971 die Dampflokomotiven gespeist.

 Zum Turm gehörte ein Anbau (ursprünglich auf der südlichen Seite), in dem Badegelegenheiten für die Bahnangehörigen untergebracht waren. Die Heizer und Lokführer der Bahn konnten so nach Dienstschluss den Ruß abwaschen. Am Wochenende durften auch die Familien dort baden, denn vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in normalen Wohnungen keine Badezimmer. Bis 1970 war das Bad in Betrieb und wurde 1988 abgebrochen.

1991 erwarb die Unternehmensgruppe Freudenberg den 1987 unter Denkmalschutz gestellten Wasserturm vor dem Werksgelände, der bereits in sehr schlechtem Zustand war. Das Dach war schadhaft, die Fenster waren zerbrochen, und hunderte von wilden Tauben nisteten darin. Um das schöne Bauwerk zu retten, stellte Freudenberg den Wasserturm 1992 zum ersten Mal äußerlich in Stand. Der einstige Wasserbehälter wurde unten aufgeschnitten, um nach oben zu gelangen, das Dach wurde erneuert und die Fenster ersetzt. Zusätzlich wurde der Wasserbehälter mit einem roten Anti-Korrosionsanstrich versehen. Einen weiteren Ausbau konnte man damals nicht unternehmen, da die Lage der Wiedervereinigung andere Investitionen forderte.

Der Turm nach der äußeren Instandsetzung:

Erst 2006-2007 wurden die Pläne zum inneren Ausbau verwirklicht. Das Konzept, den Turm als Ausstellungsgebäude zu nutzen, wurde durchgeführt, indem man drei zusätzliche Ebenen einzog und mit einer Wendeltreppe an der Innenwand des Turmes erschloss. Eine museumsgerechte Beleuchtung wurde angebracht und Museumsvitrinen für hochwertige Exponate aufgestellt.

Der Turm vor dem Innenausbau:
 
Der Turm nach dem Innenausbau:

 

Der Anbau für Sanitäranlagen wurde auf der nördlichen Seite wieder hergestellt und der Turm in ein der Öffentlichkeit zugängliches Ausstellungsgebäude verwandelt. Der Brunnen wurde im Laufe der Bauarbeiten verfüllt.


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